Selbstzweifel und Hochsensibilität, was haben sie gemeinsam?
Hochsensibilität (HS) ist kein Persönlichkeitsmerkmal im engeren Sinne, sondern ein neurobiologisches Temperamentsmerkmal, wissenschaftlich meist Sensory Processing Sensitivity (SPS) genannt (Elaine Aron).
Kernpunkte:
- tiefere Reizverarbeitung (Informationen werden gründlicher, vernetzter verarbeitet => stärker darüber nachgedacht => wie durch ein Vergrösserungsglas betrachtet)
- Reizüberflutung (körperlich und nervlich)
- Stärkere Gefühlsreaktionen (positiv, wie negativ, Empathie)
- Wahrnehmung von Feinheiten (Dinge, die anderen entgehen)
Hochsensible Menschen nehmen mehr wahr (sensorisch, emotional, sozial) und denken länger über Wahrgenommenes nach. Daher haben sie oft ein grösseres Bedürfnis nach Rückzug & Regeneration.
Wichtig: HS ist wertneutral – sie ist keine Störung, keine Schwäche und keine Diagnose.
Lass uns eintauchen in die Antwort auf die Frage:
Durch die stärkere Selbstreflexion entstehen nicht automatisch mehr Selbstzweifel, aber es entsteht mehr Raum für Selbstbewertung.
Durch das intensivere Wahrnehmen von Feinheiten und Emotionen, fallen auch kleine Ungereimtheiten, nicht nur bei anderen, sondern auch bei sich selbst, unausgesprochene Erwartungen oder eine emotionale Atmosphäre auf, die zu Selbstzweifeln führen können.
Das Wahrnehmen an sich ist grundsätzlich nicht schlecht, ausser wenn es ins Grübeln kippt, woraus Selbstkritik entstehen und sich daraus Perfektionismus entwickeln kann.
HS bedeutet jedoch nicht automatisch Neurotizismus, welcher emotionale Instabilität, starke Stressreaktionen, Angst, Unsicherheit, Grübeln beinhaltet.
- HS zeigt, wie tief Reize verarbeitet werden
- Neurotizismus, wie stark negativ emotional reagiert wird.
Selbstzweifel entstehen besonders, wenn HS und hoher Neurotizismus zusammenkommen. Er ist nicht Teil der HS, sondern er kann sich sekundär entwickeln, durch die reizüberfordernde Umwelt, Unverständnis der Menschen im Umfeld («Stell dich nicht so an») oder einer dauerhaften Überforderung, woraus sich ein Stressmuster entwickelt und schlussendlich eine emotionale Unsicherheit.
Selbstzweifel können auch mehr auftreten, wenn man als hochsensible Person in einer ungünstigen Umwelt aufwächst, wo viel Reizüberflutung, emotionale Abwertung und Leistungsdruck herrschen.
Was ich besonders wichtig finde zu betonen, dass wir nicht, weil wir hochsensibel sind, automatisch mehr Selbstzweifel haben. Es kommt sehr darauf an, mit welcher Brille wir die intensiven wahrgenommenen Reize bewerten.
Es geht nicht darum, weniger sensibel zu sein, sondern auf eine gesunde Art mit dieser tiefen Verarbeitung umgehen zu erlernen.
Möglicher Verarbeitungsprozess
Reiz wird wahrgenommen => wird analysiert => mögliche Bedeutung wird überlegt => Selbstbezug wird gemacht
Hier dürfen wir uns an Gott wenden. Er hat uns mit dieser erhöhten Wahrnehmungsfähigkeit ausgestattet, dann dürfen wir ihn auch darum bitten, dass er uns hilft damit umzugehen, sie regulieren zu lernen.