Selbstzweifel – Woher kommen sie?



Viele von uns kennen Selbstzweifel. Aber was sind Selbstzweifel überhaupt?


„Selbstzweifel, Unsicherheit, bestimmte Ziele zu erreichen oder positiv auf andere Personen zu wirken; Ergebnis von Unzufriedenheit mit sich selbst, die von der Gegenwart in die Zukunft projiziert wird. Je länger die Selbstzweifel andauern, desto negativer wird das Bild von der eigenen Person. Man sucht geradezu nach weiteren Hinweisen auf persönliche Unzulänglichkeiten und übersieht dabei alle positiven Entwicklungen (Selbstkonzept, Identität).“ Lexikon der Psychologie, Selbstzweifel, 18.12.2025



Dieses Thema beschäftigte mich selbst schon seit Jahren. Seit diesem Jahr darf ich diesbezüglich eine neu gewonnene Freiheit erleben. Sind deshalb alle Selbstzweifel für immer verschwunden? Nein, aber ich weiss, wo ich damit hingehen kann, damit sie sich oft direkt in Luft auflösen, zu Jesus.



Im Frühling 2025 durfte ich in der Seelsorge diese innere Frage: «Kann ich das?» gekoppelt an die Frage: «Ist es nicht zu viel?» aufarbeiten. Mir wurde bewusst, dass dieses Gefühl der Inkompetenz tief in meine Kindheit zurückreicht und einfach auch Teil unseres Menschseins ist.



Unter anderem erkenne ich ein Vergleichen mit andern als Ursprung dieser Selbstzweifel. Schon früh empfand ich mich als anders. Meine Mama erzählte mir, dass ich im Kindergarten oft auf dem Hochbett sass und die Kinder beim Spielen beobachtete. Ich war ein schüchternes, ruhiges Kind. Auch später hatte ich das Gefühl anders zu sein. Dieses Gefühl kennen sehr viele Menschen, die hochsensibel sind. Das heisst für mich nicht, dass nur hochsensible Menschen Selbstzweifel haben, aber vielleicht stärkere, da sie sich als anders erleben, sie vieles wahrnehmen und dadurch das Vergleichen entsteht.



Aber auch andere Faktoren spielten sicherlich hinein. In der 3. Klasse hatten wir eine schwierige Lehrperson. Ich erzählte zuhause, dass ich lieber sterben wolle, als zur Schule zu gehen. Dies war für mich ungewöhnlich, da ich bis dahin gerne in die Schule ging. Ich kann mich auch nicht mehr an dieses Schuljahr erinnern. Alles, was ich weiss, hat mir meine Mama erzählt. Es scheint, als wäre es ausgelöscht worden. Ich hatte während der Seelsorge, als wir den Heiligen Geist darum baten, dass er mir aufzeigen möge, was dieses Schuljahr für Spuren hinterlassen hat, den Eindruck, dass diese Lehrperson oft schrie und ich mich vielleicht daher zurückgezogen habe, da mir alles zu laut und zu viel war als hochsensibles Mädchen. Meine Mama bestätigte diesen Eindruck.



Ich hatte ein inneres Bild während der Seelsorge, wie ich mich isoliert im Klassenzimmer sitzen sah und die Lehrperson schrie. Ich hatte Angst. Ich habe mich zurückgezogen. Ich wollte nicht auffallen und wahrscheinlich alles so gut wie möglich machen, damit ich nicht selbst Opfer dieses Schreiens wurde, vielleicht die Geburt des Perfektionismus? Ich fühlte mich wahrscheinlich auch hilflos, da ich sah, wie die Lehrperson ungerecht war zu meinen Mitschülern und ich nichts dagegen unternehmen konnte. Ich fühlte mich inkompetent. Dieser Lehrperson wurde gekündigt, da die Eltern von meiner Klasse sich dafür einsetzten, das habe ich bis heute nicht mehr erlebt, anscheinend war es wirklich eine schlimme Lehrperson. Ich bin sehr dankbar durfte ich ganz bewusst dieser Frau vergeben, das erlebte ich als heilsam. Heute arbeite ich wieder in diesem Schulhaus, wo dies alles stattfand.



Weiter erlebte mein Papa in meinen ersten Lebensjahren eine grosse Krise, wo ihm vermittelt wurde, dass er inkompetent sei. Dies prägte ihn, aber auch mich.

Ich denke, die Selbstzweifel sind in meinem Leben, aufgrund von meinen gemachten Erlebnissen und Erfahrungen. Was ich nun als wichtig erachte ist, wie ich nun damit umgehen darf, was Jesus über diese Selbstzweifel sagt und darüber denkt.



Seit meiner Bibelschule, die ich im Jahr 2008/09 machen durfte, merke ich, wie Jesus daran ist mein Denken zu verändern. Dieser Bibelvers durfte in den letzten Jahren immer mehr in mein Herz sinken:



«Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes (Denkens / Wollens), dass ihr prüft, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.»
Römer 12,2, Elberfelder 2025



Und dieser Bibelvers begleitet mich ebenfalls schon sehr lange:



«Lass deine Augen geradeaus blicken und deine Blicke gerade vor dich gehen! Gib acht auf die Bahn deines Fusses, und alle deine Wege seien geordnet! Bieg nicht ab zur Rechten noch zur Linken, lass weichen deinen Fuss vom Bösen!»
Sprüche 4,27, Elberfelder 2025



Für mich bedeutet dieser Vers, dass ich mich auf Gott ausrichten darf, auf das, was er über mich denkt, ohne dass ich mich umschauen muss, was andere alles können und machen, ohne mich zu vergleichen. Ich darf bei Jesus zur Ruhe kommen und geradeaus schauen, auf den Weg, den er vorbereitet hat und darauf vertrauen, dass er gute Wege bereitet hat.



Etwas, was mich sehr ermutigt hat, ist eine Prophetie, die ich vor einigen Jahren erhalten habe, die ich auch dir zusprechen möchte:



«So spricht der Herr, ich warte auf dich. Deine Taten sind die Signale für mein Handeln. Deine Taten und dein Gehorsam lösen die «Segenslawinen» aus. Wenn ich deinen Gehorsam sehe, dann erfülle ich dir alle meine Verheissungen. Benütze einfach das, was du hast und was du kannst. Ich werde dir dann neue, weitere Gaben dazugeben. Habe innere Freude, inneren Frieden. Sei ruhig und gelassen. Suche nicht Menschen zu gefallen, gefalle nur mir, diene nur mir und du hast meine Hilfe, spricht der Herr.»



Im nächsten Beitrag möchte ich darauf noch näher eingehen, was diese Prophetie bei mir ausgelöst hat im Bezug auf meine Selbstzweifel.



Bis dahin würde es mich interessieren, woher denkst du kommen deine Selbstzweifel?


Foto: @Patrick Pellegrini